Links des Rheins von Dom zu Dom
Fronleichnamstour des ADFC Bad Homburg 2002
2002-05-29
Die traditionelle 4-Tagestour
der ADFC-Ortsgruppe Bad Homburg führte uns in diesem Jahr auf dem
Rhein-Radweg von Strasbourg nach Mainz. In diesem
Jahr wurden daraus dank der Deutschen Bahn viereinhalb Tage, mit einem
Beginn bereits am Mittwochnachmittag. Der Grund: über drei Monate
im voraus war es nicht mehr möglich, in irgendeinem Zug zwischen Frankfurt
und Karlsruhe für Fronleichnam Plätze für zehn Radler zu
reservieren. Und für den Vorabend konnten aus irgendwelchen obskuren
Gründen zwar Plätze für 10 Fahrräder, aber nur für
eine Gruppe von 9 Personen reserviert werden. Für den 10. Mitreisenden
musste eine "Zubuchung" bestellt werden. Ach ja, für jeden Gruppenreisenden
mussten wir mit 8,40 € nur unwesentlicher mehr bezahlen als für
unsere Fahrräder mit 8,00 €. Die Bahn macht es einem nicht leicht,
sie zu mögen ... Wir machten wir aus der Not eine Tugend und
bestiegen gegen 16:40 einen Regionalzug in Bad Homburg.
Nach dem Umsteigen im Frankfurter Hauptbahnhof fuhr einer der verbliebenen
Interregios - ohne dass wir nochmals umsteigen mussten - zu unserem Fahrtziel
Kehl. Der Zug hatte bereits bereits 12 Minuten Verspätung bei der
Einfahrt in den Kehler Bahnhof und die Zugführerin befürchtete
etwas nervös ein deutliches Überschreiten der eingeplanten 2
Minuten Aufenthaltsdauer. Aber nicht mit uns. Nach nur 100 Sekunden waren
die 10 Räder - darunter ein Langlieger - und das gesamte Gepäck
ausgeladen. - Die erste Teiletappe blieb überschaubar, nach 300 m
hatten wir unser Hotel in der Bahnhofstrasse erreicht. Während an
der Rezeption alle unsere Bundespersonalausweise geprüft wurden, zeigten
wir Mut zum Risiko beim Schieben unsere Räder über eine mit Glasscherben
übersäte Rampe in die Hoteltiefgarage. - Das Abendessen in einem
griechischen Restaurant wurde durch ein kleines Quiz
aufgelockert, das der Tourenleiter mit Fragen zum geschichtlichen Hintergrund
der zu durchradelnden Region vorbereitet hatte.
2002-05-30
Frühstück ab 08:00 und Abfahrt um 09:00. Über die Strasbourger
Europabrücke zum idyllischen Petit France, ab
10:10 eine halbe Stunde Pause für die Besichtigung des Strasbourger
Münsters oder ein zweites Petit Dejeuner in dessen Schatten. Gegen
11:00 vorbei am Europa-Parlament und kurz danach hatten wir die Enge der
Stadt hinter uns gelassen. Kurze Orientierung an einer Infotafel.
Entlang des Rheindeichs und durch wunderschöne Auwälder rollt
es sich zügig auf breiten, fast autofreien Straßen. Bei einem
kurzen Stopp wurden für den Fall der Fälle Handynummern
ausgetauscht. Hinter der Staustufe Gambsheim wurde der Weg wildromantisch,
die Wegeführung war leider nicht mehr ganz so eindeutig. Kleine Extrameile
zum Hafen Offendorf - wieder vom Tourenleiter Unzulänglichkeiten in
der Karte angelastet. In Drusenheim machten wir einen kleinen Abstecher
zu einem Supermarche, um Lebensmittel zu bunkern. Es ist schon reizvoll,
innerhalb des Euro-Landes ohne Sorten-Umtauscherei zu reisen. Wieder zurück
am Deich haben wir ein lauschiges Rasenstückchen aufgesucht, um unsere
(Nach-)Mittagsrast zu machen. Erste Zweifel bekamen wir an der Lauschigkeit,
als Sandlaster begannen, im Zwei-Minuten-Takt an uns vorbei zu einem Kieswerk
zu rasen und Staub aufwirbelten. - Vorbei an Warntafeln
zu möglichen Radverlusten Einradeln nach über 76 km an unserer
Unterkunft in Munchhausen, der Gite
d'accueil, einer Jugendherberge. Nach dem Einrichten in unseren Zimmern
Wanderung zur übernächsten Gaststätte, dem Restaurant "A
la Rose". Die Qualität der Speisen war den gehobenen Preisen angemessen,
der Service weniger. Dessert-Auswahl nach dem wohlschmeckenden Menu (1,
2) und die Konsequenzen daraus.
Zum Service: zunächst ein Getränk vergessen, das Besteck für
10 Personen wurde nur en bloc auf den Tisch gelegt, in einem Gericht wurden
die Nudeln vergessen und auch später nicht gebracht, die Sammelrechnung
wurde ohne weitere Nachfrage auf den Tisch gelegt. Erst auf unseren Wunsch
nach Einzelabrechnungen hin holte sich der Kellner einen Stuhl, setzte
sich zu uns an den Tisch und versuchte, aus der Sammelrechnung unsere Zahlungen
abzuleiten. Dabei verrechnete er sich um ca. 20% und 3 Biere, die weder
bestellt noch geliefert waren, sollten wir auch noch bezahlen. Aber immerhin,
das Essen war gut ...
2002-05-31
Um 08:00 typisch französisches Frühstück
mit Weißbrot, Butter, zwei Marmeladensorten und O-Saft. C'est tout.
Ach ja, Müslischälchen gab's auch noch, aber wo war das Müsli?
Und wo die Kaffeetassen? Ach so ... - Start kurz vor 09:00, unser Motto
heute: "Vamos a la Speya", vorbei am Hafengelände in Lauterbourg,
über einen kleinen Steg an der alten Lauter - und wir sind in Deutschland!
Ein vorbildlich unspektakulärer Grenzübergang in der äußersten
Nordost-Ecke Frankreichs, keine Hoheitszeichen, keine Grenzmarkierungen,
nichts. Schengen pur. Der geplante erste Halt am Schifffahrtsmuseum bei
Neuburg fällt wegen des geschlossenenMuseumsschiffs aus. In Leimersheim
werden in einem Edeka-Geschäft Lebensmittel für's Mittagsmahl
gebunkert. Kurz vor der Weiterfahrt gibt es die erste Panne. Cornelias
Hinterrad hat einen Platten und wehrt sich gegen einen Ausbau zum Zwecke
des Schlauchwechsels. Zunächst zeigte sich das Werkzeug
klüger und gab nach, mit einer verschärften Gabelschlüsselattacke,
unterstützt durch Rostlöser, resignierten dann doch die Befestigungsmuttern
des Hinterradlagers und der Schlauch wurde geflickt.
Auf dem Rheindeich beim Karlskopf dann das Mittags-Picknick.
Als Nachtisch gab's noch einen Platten an Werners
Fahrrad. Kurz nach 17:00 und nach 75 km Einkehr an unserem Gasthaus in
Speyer. Um 18:00 Wanderung zum nächsten Biergarten am Fischmarkt.
Angenehm mit Speiseauswahl an offener Küchentheke, während Getränke
an den Tisch gebracht werden. Gut bürgerliche Küche zu gut bürgerlichen
Preisen. Nach 20:30 Schlendern auf der Speyerer Hauptstraße, der
Maximilianstraße, zwischen Eissalons, dem Dom
und dem Altpörtel, einem der höchsten mitteralterlichen Stadttore.
Milde Stimmung in milder Luft. Unsere Gruppe vor dem Dom,
Doris und Gisela, Cornelia beim
Abrufen des letzten Stand der Heimatdinge. Ein Hinweis für unsere
Vertreter im Bad Homburger Verkehrssausschuss: Fußgängerzone
und Radfahren vertragen sich. Ab 21:15 Heimschlendern durch malerische
Gäßchen mit niedrigen, höchstens zweigeschossigen Häusern
am Rande des Kopfsteinpflasters.
2002-06-01
Um 09:00 Start in die Speyerer Innenstadt, mit einer Stunde Zeit, um den
Dom - einer der bedeutendsten und größten romanischen
Bauwerke Deutschlands - und sein Umfeld in Ruhe auf uns wirken zu lassen.
Cornelia zündet im Andenken an Eddi ein Kerzchen
an. In der Kaisergruft die letzte Ruhestätte der salischen Kaiser,
darunter die von "Canossa-Gang"-Kaiser Heinrich IV.
Die geräumige Krypta wurde in ihrem zentralen
Teil vor nahezu 1000 Jahren geweiht. - Ab 10:10 Fahrt durch Felder und
Wälder an Altrip vorbei. Ab Rheingönnheim, einem südlichen
Vorort Ludwigshafens, wird die Landschaft wieder städtischer. Einkauf
in einem Lebensmittelgeschäft und Mittagsrast auf den Rheinwiesen
schräg gegenüber dem Mannheimer Schloss. Mit Hilfe einer guten
Beschilderung umrunden wir sicher das BASF-Gelände. Beinahe chinesische
Verhältnisse treffen wir am Dienstrad-Parkplatz
der BASF an. Über Felder, die in der Nachmittagssonne wenig Schatten
spenden, radeln wir hart am Rhein um 15:30 nach Worms hinein. Eine Stunde
Pause zur Dombesichtigung, Kaffee-Schlürfen oder eMail-Abruf im Internet-Cafe.
Wieder am Rhein geht's über Ibersheim, Eich (mit einem weiteren Schlauchwechsel
an Volkers Hinterrad), Gimbsheim nach Guntersblum, unserem Tagesziel -
gegen 19:00 und nach 81,5 km. Nach der Tagesschau Abendessen und gemütliches
Beisammensein im Hof unseres Gasthauses.
2002-06-02
Ab 09:15 vorbei an Weinhängen im vernünftigen Abstand zur B9
durch Oppenheim, Nierstein und Nackenheim. Ab dort auf dem gut befahrbaren
Rheinleinpfad bis zur Eisnbahnbrücke hinter Mainz-Weisenau. Auf Initiative
der Gruppe hin wurde der Mainzer Dom nur aus der Ferne betrachtet und die
Fahrt über die Mainmündung an der Mainspitze mainaufwärts
fortgesetzt. Eine letzte gemeinsame Einkehr in Flörsheim
mit einer Publikumsbefragung. Die Ergebnisse reichten von "zu wenig Kultur"
bis zu "Die Tour hiess doch nicht 'Von in den Dom zu in den Dom'!". - Nun
löste sich die Gruppe langsam auf. Ergin hatte nur noch einen kurzen
Heimweg, Gisela und Alex blieben noch einen Kaffee länger sitzen,
Cornelia, Doris W., Elke, Peter und Werner rasten nach Hause, während
Doris S. und Volker etwas gemütlicher weiter fuhren. An der Wörthspitze,
der Mündung der Nidda in den Main, trafen die zwei noch auf Sabine,
einer Bad Homburger Radlerin und fuhren mit ihr nach Bad Homburg zurück.
Nach 76 km erschöpft, aber glücklich nach 4 Tagen an der frischen
Luft, unter der milden Sonne, körperlich verausgabt, glücklich
...
Zur Ansicht der Fotos bitte auf das entsprechende Daumennagel-Foto
klicken.
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