Fahrradtour des ADFC Bad Homburg nach Friedberg

15. August 1999

Eine Fahrradtour, wie sie der Chronist mag: eine gelungene Mischung aus Naturerlebnis, Kulturerfahrung und Geselligkeit. Aber der Reihe nach: um 10:00 Uhr trafen sich 10 Radler am Kurhausbrunnen, um sich von Bernhard W. durch die Wetterau nach Friedberg führen zu lassen. Die Route, die Bernhard kundig gewählt hat, führte über die sanften Wellen des Vortaunus zum ersten Highlight, einem Stop an einer Brombeerhecke. Die süßen, aromatischen Früchte ließen in einigen den Wunsch keimen, nochmals - mit einem Eimerchen bewaffnet - an diese Stelle zurückzukehren. In Friedberg eingetroffen, wurden die Fahrräder erstmal sicher in einer leer stehenden Garage untergestellt. Der erste Tagesordnungspunkt: Besuch des Wetterau-Museums. Von Zeugnissen aus der Steinzeit über Exponate der provinzialrömischen Zeit und des frühen Mittelalters bis hin zu einer Ausstellung über die zunehmende Mechanisierung der ländlichen Arbeitswelt in der Wetterau reichen die Sehenswürdigkeiten in dem Museum. Das Sahnehäubchen: eine Sonderausstellung historischer Dampfmaschinenmodelle im Obergeschoss. Nach einer kurzen Stärkung bei Eis und Kaffee an der B275, die leider mitten durch die Stadt führt, begann um 14:00 unsere Führung zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt (01). Ein erster kunsthistorischer Höhepunkt: die Stadtkirche, eine gotische Hallenkirche, deren erste Bauabschnitte bereits 1306 geweiht wurden. Der in allen drei Längsschiffen (02) gleich hohe Raum wird erhellt durch Farbfenster (03), die einer Zeitspanne vom 15. bis zum 20. Jhdt. entstammen. Nach einem kurzen Aufstieg der nächste Highlight: ein Blick von der schmalen Balustrade (04) hinab auf Urbi et Orbi. Am Fünffingerplatz (05) vorbei - der im Mittelalter auch die Grenze zwischen der reichsfreien Stadt Friedberg und dem vor den Stadtmauern liegenden Judenviertel markierte - hatten wir Gelegenheit, das Judenbad (06)  zu besichtigen. Bereits um 1260 angelegt, zeugt diese monumentale Mikwe (07) von der lang andauernden jüdischen Besiedlung in Friedberg. In 25 m Tiefe versinken die letzten Stufen im sieben Grad kalten Grundwasser (08). Zurück an der Oberfläche, nur wenige Meter entfernt, sind die Grundrisse der ehemaligen jüdischen Synagoge zu erahnen, die in der Reichskristallnacht (09.11.1938) in Brand gesteckt und 1939 abgerissen wurde. - Wiederum wenige Meter weiter liegt das mächtige Burgtor (09, 10) der Reichsburg Friedberg. Hier, an der höchsten Stelle des aus der Wetterau herausragenden Basaltrückens, hatten schon die Römer um 14 n.u.Z. ein Militärlager angelegt. Die einzigen nachgewiesenen Zeugnisse aus jener Zeit sind die Grundrisse des römischen Badegebäudes (12, hier mit unserem Stadtbilderklärer). Vorbei am Georgsbrunnen und dem Burgmannenhaus mit Hochrenaissance-Fassade (11) führte uns der Weg zum Adolfsturm (13, 14), der mit seinen Grundmauer von 1347 zu den ältesten Gebäuden auf dem Burggelände gehört. Von seinem Söller aus geht der Blick hinab in die Stadt Friedberg (15) und weit hinaus auf die neuzeitlichen Türme der Stadt Frankfurt (16), also in die Richtung, in die wir - nach einem Spaziergang durch den Burggraben, den sogenannten Hirschgraben - kurz danach wieder radelten. Nach dem Rückweg durch die Wetterau verleitete uns das Feuerwehrfest in Seulberg noch zu einem Ausklang in feucht-fröhlicher Runde. Kurzum: eine Fahrradtour, wie sie der Chronist mag.
 

Thumbnail Pictures
(Klicken Sie auf eines der kleinen Fotos, um es vergrößert zu sehen. Alle  Fotos wurden am 15. August 1999 aufgenommen. (c) Internet-Beratung Radek.) 



ADFC Bad Homburg