Werbung ist ein nicht wegzudenkendes Element unserer Wirtschaft. Werbung ist gewissermaßen die Visitenkarte eines Unternehmens.
So ein fahrradproduzierendes Unternehmen stellt sich dabei aber, anders als einige PKW-Hersteller ihre Philosophie in der Fernsehwerbung ausbreiten, in aller Regel weniger selber vor, als vielmehr seine Produkte.
Und was verbreitet man so über seine Produkte? Zunächst einmal gewiß nichts Schlechtes und darüber hinaus deren Vorzüge gegenüber anderen, wenn auch ungenannten, Machwerken der Konkurrenz.
Da darf dann ein Fahrrad keine lahme Ente sein. Das gute Stück muß vielmehr durchschlagenden Erfolg haben, beim Verkauf wie bei der Benutzung.
Und da die Konkurrenz in aller Regel mehr oder weniger intensiv ,,fetzt", hat sich unser Preisträger, die Firma Villiger wohl einfach von ihrem externen oder internen Werbepartner mitreißen lassen.
,,Damit es nicht zu besinnlich wird, legt uns die Natur Steine in den Weg. Power ist, wenn es trotzdem weitergeht abseits der Straßen und Konventionen" heißt es in der Werbung.
Wäre das alles nur ein ungelesener betriebsinterner Aushang zum morgendlichen Aufreißen der Villiger-Mitarbeiter, wäre die Sache leicht zu vergessen. Zudem bekundet die Firma Villiger glaubhaft, sie wirke intern umweltfreundlich und gebe jedem Fahrrad eine Gebrauchsanweisung mit ökologisch verträglichen Verhaltensregeln für den Nutzer auf den Weg.
Was die Firma Villiger, der wirklich kaum etwas Übles zu unterstellen ist, dafür wohl umsomehr übersieht, ist, daß der Leserkreis ihrer Verhaltensregeln weit geringer ist, als ein ganz anderer.
Tatsächlich nämlich werden nicht die Verhaltensregeln, sondern die Werbung von viel mehr Lesern wahrgenommen und das mit verschiedenen Folgen:
Die ,,rostige Orchidee" ist ein Zeichen dafür, daß eine bestimmte Werbung besonders zur Korrosion des Verhältnisses Mensch zur freien Natur beiträgt.
Solche Korrosion führt zum Verlust gegenseitigen Einfühlungsvermögens.
Gegen dieses Übel gilt es anzukämpfen. Möge dies die
erste und letzte ,,Rostige Orchidee" für Villiger sein. Der Firma
bleibt ein besseres, sozusagen hochkarätiges Werbebewußtsein
zu wünschen, das der von ihr übernommenen gleichermaßen
hochkarätigen Traditionsmarke ,,Diamant" gerecht wird. Der Weg zur
Besserung mag schon damit beginnen, daß die Firma Villiger künftig
überhaupt weiß, was ihre Werbung eigentlich - und das in mehrerlei
Sinne des Wortes - jeweils darstellt.
Tilman Kluge, ADFC Bad Homburg, 21. 04. 1999