23.09.2004
Rathaus auf Weg zum „Radhaus“
Bad Homburg. Die Stadt Bad Homburg sorgt sich um die Gesundheit ihre Bürger und macht bei ihren Mitarbeitern einen Anfang. Gestern ist die Stadt als erste Kommune überhaupt dem Projekt «bike + business» des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) beigetreten. Oberbürgermeisterin Dr. Ursula Jungherr (CDU) unterzeichnete am Aktionstag «In die Stadt – ohne mein Auto» einen entsprechenden Vertrag mit Klaus Peterson, dem Schatzmeister des ADFC Hessen. «Wer Rad fährt, tut etwas für seine Gesundheit», sagte Jungherr. Als «Rad»-Haus-Chefin verpflichtet sie sich nun, ihren Mitarbeiter die Alternative Fahrrad aufzuzeigen und zu motivieren – wo immer es sinnvoll ist – auf das Rad als Verkehrsmittel umzusteigen.

Von den 400 festen städtischen Mitarbeitern würden rund 50 schon heute mit dem Rad zur Arbeit kommen, so Jungherr. Sie selbst bevorzuge allerdings den Fußweg quer durch den Kurpark, da sie die Hände häufig für Aktenkoffer frei haben müsse. In der Rathaus-Tiefgarage stehen bereits Fahrrad-Stellplätze sowie vier Dienstfahrräder für die kurzen Wege zur Verfügung. Die Einrichtung von Spinden zum Wegschließen der Rad-Bekleidung wird voraussichtlich die nächste Maßnahme werden, um für die Rathaus-Mitarbeiter die Anfahrt per Rad zu einer sauberen Sache werden zu lassen. Auf der Haben-Seite der Kurstadt sieht Jungherr das gute Radwegenetz einschließlich der erst kürzlich geschlossenen Rundroute. Im kommenden Frühjahr soll eine detaillierte Radkarte nachgelegt werden, wie sie zum Beispiel für Frankfurt bereits existiert.

Projektpartner ADFC unterstützt die Stadt und weitere Arbeitgeber mit einer Bestandsaufnahme. Außerdem gibt er Tipps, wie mögliche Hindernisse auf dem «Fahrradweg zur Arbeit» beseitigt werden können. Eine vergleichbare Kooperation mit «großen modernen Firmen» werde angestrebt, berichtete ADFC-Hessen-Geschäftsführer Norbert Sanden von Gesprächen mit Fresenius, HP oder Lilly. Man können zwar niemals flächendeckend mit allen Arbeitgebern zusammenarbeiten. Doch sollte es im Planungsverband Frankfurt-Rhein-Main mit seinen 75 Kommunen überall zwei, drei feste Partner geben, schwebt Sanden bis zum Ende der Startphase im Jahr 2006 vor. Es gehe einfach darum, das Fahrrad als modernes, aber nicht ausschließliches, Verkehrsmittel zu vermitteln. Volker Radek, Vorsitzender des ADFC Bad Homburg und Hochtaunus, sprach in diesem Zusammenhang von einem «polymobilen Verkehrsverhalten», in dem sich Bus, Bahn und Rad gut ergänzen könnten. Dazu gehörten aus seiner Sicht auch eine Fahrradstation am Bahnhof und die Öffnung von Einbahnstraßen für Radler. Bei der einen Sache spiele jedoch die Bahn nicht mit, bei der anderen tut sich die Stadt zumindest schwer. «Wir müssen nicht alles mitmachen, was Frankfurt macht», antwortete Jungherr darauf, sagte aber eine Einzelfallprüfung bei allen von der Breite her in Frage kommenden Straßen zu. So ergänzten sich Lob und Verbesserungsvorschläge, einig waren sich aber alle, dass die Teilnahme Bad Homburgs an «bike + business» zumindest «ein guter Ansatz» sei.

Am Aktionstag auf dem Waisenhausplatz informierte zudem das Pendlernetz Rhein-Main über seinen kostenlosen Internet-Mitfahrservice unter der Adresse http:// www.rheinmain.pendlernetz.de. Die Jugendverkehrsschule fuhr mit ihrem Info-Lastwagen vor und gab Eltern und Kindern Tipps für ein sicheres Vorwärtskommen im Verkehr – ob mit oder ohne Rad. (als)